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Tag 8 der Santorin-Wanderstudienreise mit Tobias Schorr
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 Ein natürlicher Tunnel am Kap der Insel Thirasia
| Eine der interessantesten Touren ist eine Fahrt mit einem Boot entlang der Kaldera. Und die besten Plätze sind vorne auf Sostis Boot. Von Akrotiri fährt unser Kapitän an der Außenseite von Palea Kameni direkt zur Nachbarinsel Thirasia. Dort gibt es am Kap gleich viel zu sehen. Dort, wo nur wenig Landmasse vorhanden ist, hat sich das Meer ein kleines Tor durch die Lavaschichten gefressen. Ein toller Anblick zwischen den roten und schwarzen Gesteinsschichten! In dem kristallklaren Wasser kann man auch am Grund interessante Strukturen und immer wieder Fische beobachten. Bald kommen Felsen in Sicht, die wie Rosen erscheinen. Sie sind wohl durch Abkühlungseffekte der heißen Lava entstanden. Man fährt quasi durch den Querschnitt vieler vulkanischer Ereignisse, die die Insel Santorin gebildet haben. 

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 Die Gruppe beobachtet die Lavaschichten der Kaldera
| Die Kaldera von Santorin hat eine lange Geschichte hinter sich. Die ersten Vulkane brachen vor einer Million Jahre unterseeisch aus. Langsam erst erhoben sie sich über die Meeresoberfläche. Dann gab es wieder Ruhephasen mehrerer Tausend Jahre und dann bildeten sich große Schichtvulkane z.B. im Nordwesten des Archipels. Langsam wuchsen mehrere Vulkane zusammen, bis es wieder gigantische Explosionen gab, die Vorgänger der heutigen Kaldera bildeten. Es war ein Prozess von Zerstörung und Wiederaufbau. Dabei lagerten sich hunderte Lavaschichten ab, in denen man heute die Charakteristik des Vulkangebiets Santorin studieren kann. Auch, wenn momentan Ruhe herrscht, so liegt der letzte Ausbruch auf der Insel Nea Kameni erst ca. 58 Jahre zurück. Und, dass Santorin in Zukunft wieder Vulkanausbrüche haben wird, ist so sicher, wie das „Amen“ in der Kirche! Wann, weiß keiner. Aber es wird kommen. Und keiner kann heute schon sagen, ob es wieder ein harmloser Ausbruch wie 1950 sein wird, oder ob es eine größere Katastrophe wird. 
 Auf der Bootsfahrt kann man sich klar werden, welche Dimensionen die Vulkane der Region haben. Und unter den Felsen, die über dem Boot vorbeiziehen, fühlt man sich recht klein. Das Boot tuckert schön langsam an der Küste entlang, damit Tobias die geologischen Details erklären kann. Nach einer Weile kommen in den Fels gegrabene Bootsschuppen ins Bild und der kleine Hafen Korfos ist erreicht. Dort legt Sostis an einem der Restaurants an, in dem später die Ausflugsboote anlegen, die die Gruppe schon auf Palea Kameni beobachten konnte. Mit dieser Vorahnung im Kopf, sucht die Gruppe das Weite und steigt die Treppen zum Hauptort der Insel Thirasia hinauf. Die harte Beinarbeit wird durch eine klasse Aussicht auf den Kraterkessel Santorins belohnt. Oben in Manolas gibt es erst mal eine Stärkung in einer Taverne, die wie ein Balkon über die Kalderaränder ragt. 

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 Katze in der Gasse von Manolas
| Später geht es durch die pittoresken Gassen mit ihren schönen, farbenprächtigen Häusern. Hier in Manolas leben viele Kapitänsfamilien. An jeder Ecke ein Fotomotiv und besonders die Dorfkirche Agios Johannis lässt die Kameras klicken. Bald geht’s bergauf zur Kirche Agios Charalambos, die Tobias mit der Gruppe besichtigt. Ingo und Tobias wagen einen Blick ins Gebeinhaus, in dem die sterblichen Überreste ganzer Familien in sorgfältig polierten und geschmückten Blech- und Holzkisten liegen. Auf Thirasia gibt es einige sehr schöne Kirchen, die nur selten von ausländischen Gästen besucht werden. Die Insel Thirasia lässt erahnen, wie Santorin vor dem Ansturm des Tourismus in den siebziger Jahren ausgesehen haben muss. Damals gab es außer Weinanbau, Seefahrt und die Bimssteinbrüche kaum Einnahmequellen für die Bevölkerung und die Insel war sehr arm. Dann kam 1956 noch das schwere Erdbeben dazu, das fast alle Dörfer zerstörte und dessen Spuren auch heute noch an ein paar Stellen zu sehen sind. 

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 Die Kirche Agios Charalambos
| Welche Kraft Erdbeben und Vulkanausbrüche entwickeln zeigt Tobias an Hand eines Felsens, der unterhalb einer wunderschönen Kapelle auf dem lockeren Bims liegt. Sein Gewicht dürfte so um die 3-4 Tonnen liegen und er wurde bei der Minoischen Vulkan-Explosion kilometerweit in die Luft geschossen. Eine Energie, die der Kraft hunderter Atombomben entsprach wurde frei. Solche riesigen Felsen sind über die ganze Region verstreut und selbst auf entfernten Inseln wie z.B. Folegandros und Ios fand man Felsbrocken aus Santorin… Auf dem Rückweg zum Hafen trifft die Gruppe auf die Ausflugsboote und deren Gäste. Und Sostis wartet schon auf Tobias, Ingo, Udo, Traude und Tagmar. Schnell verlässt er den Hafen Korfos und fährt an einer der schönsten Basalt-Rosen vorbei nach Ia.
 Sich Ia vom Meer zu nähern ist etwas ganz Besonderes. Oben kleben an den roten Lavafelsen die weißen Häuser und man sieht die schönsten Kirchen. An der kleinen Insel Agios Nikolaos geht’s vorbei, man sieht die Anlegestelle des Hafens Armeni und schnell entdeckt die Gruppe ein kleines Häuschen an der Küste, zu dem Rohre führen. Tobias erklärt, dass dies die Ansaugrohre für die Meerwasserentsalzungsanlage oben in Ia sind. Es gibt nur geringe Süßwasserresourcen und so hat ein reicher Exil-Santoriner der Insel diese Einrichtung geschenkt. Trotzdem bleibt Wasser ein Problem. In Tanklastern wird das nicht sehr wohlschmeckende Wasser teuer an Hotels und Privatleute geliefert. Im Vulkangestein versickert Regenwasser sehr schnell und außer im Kalkfels des Profitis Ilias gibt es keine natürlichen Süßwasserquellen. 
 Inzwischen erreicht das Boot die interessantesten Stellen im Inneren der Kaldera. Unterhalb der Vulkane Mavro Vouno und kleiner Profitis Ilias gibt es zahlreiche tiefschwarze Gänge, die senkrecht die Lavaschichten durchschlagen haben. Es sind ehemalige Schlote und Fördergänge von Vulkanen. Manchmal sieht man, wie das Nebengestein durch die Hitze gebrannt wurde und ein rötlicher Saum entstand. Jetzt ist auch die engste Stelle der Insel erreicht. Hier ist man wieder auf der Störungszone, auf der alle aktiven Vulkane des Santorinarchipels liegen. Und einen Vulkan sieht man gar nicht. Er liegt außerhalb der Kaldera in einer Tiefe von 14-150 m unter dem Meer. Und er hatte es in sich. 1640 n.Chr. hatte er eine Eruption, bei der giftige Gase an der Küste bei Kamari und Ia viele Tiere tötete. Erst vor ein paar Jahren wurde der Grund des Vulkans mit einem Tiefseeboot erkundet und heiße Gasaustritte fotografiert. Der Grund ist mit einem Teppich schwefelverzehrender Mikroben besiedelt. Die Störung ist auch innerhalb der Kaldera weiterhin gefährlich. Schon vor zigtausenden Jahren brach ein ganzer Teil des Kleinen-Profitis-Ilias-Vulkans ab und rutschte ins Meer. Gerade an dieser Stelle hat jemand erst vor kurzem eine Villa gebaut. Kein sehr sicherer Baugrund. Aber, wer auf Santorin an der Kaldera baut, muss die geologischen Gefahren verdrängen. Jederzeit kann ein schweres Erdbeben alles zerstören. 

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 Der Skaros-Felsen vom Meer aus gesehen
| Minuten später fährt Sostis am Skaros-Felsen vorbei. Tobias erklärt der Gruppe, dass dies der Rest eines riesigen Schildvulkans ist, dessen Grenze man an den Kalderwänden an Hand der Schichtung erkennen kann. Es gibt noch alte Zeichnungen aus dem 17 Jahrhundert, die zeigen, dass auf dem Felsen Kirchen und Häuser standen. Sie sind alle in Folge von Erdbeben ins Meer gebröckelt. Inzwischen hat das Bot den Hauptort Thira erreicht und fährt zwischen riesigen Kreuzfahrtschiffen hindurch. Es geht an den langsam verrostenden Verladerutschen der Bimssteinbrüche vorbei, dann kommt der Strand von Thermia ins Auge und bald legt Sostis bei Akrotiri an. Den letzten Abend verbringt Tobias mit Ingo, Udo, Traude und Tagmar am Strand von Akrotiri. Dort bei Jiorgos und Margarita lässt er diese Reise mit leckerem Lammbraten, Fisch, Tomatokeftedes und Wein ausklingen
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